Nido (6 – 18 Monate)

Unsere Jüngsten – von Geburt bis ca. 18 Monaten – werden im Rahmen der Tagespflege in der Nido-Gruppe betreut. Die Gruppengröße ist auf fünf Kinder begrenzt. Unsere Betreuerinnen sind erfahrene und qualifzierte Tagespflegepersonen, welche nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik arbeiten.

Pädagogische Grundsätze

Bei der Pflege und Betreuung der Krippenkinder wenden wir neben den pädagogischen Grund­sätzen Maria Montessoris auch die Erkenntnisse und Erfahrungen der Säuglingsforscherin Dr. Emmi Pikler an. Die zwei pädagogischen Ansätze überschneiden bzw. ergänzen sich inhaltlich.

Respekt und aktive Beteiligung an allen Pflegeaktivitäten

Respekt vor dem Säugling und Kleinkind als einzigartiges und kompetentes Wesen ist das Fundament unseres Ansatzes. Wir haben großes Vertrauen in das angeborene Bedürfnis des Kindes zu lernen und sich zu entwickeln. Somit wird das Kind von Anfang an als kompetenter Partner wahrgenommen, nicht als Objekt. Schon Säuglinge werden an allen Dingen, die sie betreffen, beteiligt. Sie werden informiert über das, was als nächstes geschieht, damit sie sich darauf einstellen können.

Auch – und insbesondere – bei der Pflege geht es um part­ner­schaftliche Zusammenarbeit von Betreuerin und Kind. Dies setzt eine ganz beson­dere Präsenz und Achtsamkeit der Betreuerin voraus. Grund­lage für alle Handlungen der Betreuerin ist die genaue teilnehmende Beobachtung. Je mehr Kompetenzen das Kind erwirbt, umso mehr wird es an den Pflegeaktivitäten beteiligt.

Autonomie

Da wir ein grundlegendes Vertrauen darin haben, dass das Kind selbst Initiator seines Lern- und Entwicklungsprozesses ist, versuchen wir nicht, dem Kind Dinge beizubringen, sondern bereiten ihm eine sichere, altersgemäße, herausfordernde und zugleich emotional warme Umgebung, in welcher es Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten entwickeln kann. So entwickelt das Kind beispielsweise seine grobmotorischen Fähigkeiten nicht dadurch, dass wir Turnübungen mit ihm machen, sondern indem wir ihm die zeitliche und räumlichen Möglichkeiten geben, diese Fertigkeiten unermüdlich zu üben und zu wiederholen.

Ganzheitlichkeit

Um seine Persönlichkeit in allen Bereichen – physisch (motorisch), emotional, sozial, kognitiv und spirituell – aufzubauen, muss von Anfang an allen Bereichen die ent­sprechende Aufmerk­sam­keit geschenkt werden. Die aktuelle Gehirnforschung zeigt sehr deutlich, dass die emotionale Entwicklung fundamental für die weitere Entwicklung der gesamten Persönlichkeit ist [1].

Zeit

Ein Kind lernt immer – und in seinem Tempo. Jedes Kind hat seinen eigenen Zeitplan um bestimmte motorische Fähigkeiten zu erwerben, wie zum Beispiel sich umzudrehen, auf­recht zu sitzen, zu krabbeln oder zu laufen. Bei uns wird das Kind zu nichts gedrängt. Viel­mehr bieten wir ihm eine angepasste, stimulierende (aber nicht überstimulierende) Um­gebung, sodass es sich ent­sprechend seiner eigenen Bedürfnisse entwickeln kann. Dem Kind wird viel Zeit gegeben, sich in seine „Arbeit“ zu vertiefen und die Betreuerin wird es dabei niemals stören. „Lasst mir Zeit“, das grund­legende Prinzip von Emmi Pikler, ist auch unser Leitprinzip in der Arbeit mit den Kindern.

Freiheit

Wenn ihm die Möglichkeit gegeben wird, kann ein Säugling schon früh lernen, selbst Ent­scheidungen zu treffen. Dazu benötigt er jedoch die entsprechende Freiheit, selbst Aktivitäten zu wählen, die seinen körperlichen, geistigen und körperlichen Bedürfnissen entsprechen. Die dabei erlebten Erfolgserlebnisse stärken sein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Er lernt von Beginn an, dass es viele seiner Probleme selbstständig lösen kann. Eine aufmerksame Betreuerin achtet darauf, dass das Kind gerade so viel Hilfe bekommt, damit es sich selbst helfen kann.

Kontinuität und Sicherheit

Die ersten 18 Monate im Leben eines Kindes haben eine besondere Bedeutung für die Fähigkeit, Bindungen aufzubauen. Die Qualität der Bindungen wiederum hat ent­scheidende Aus­wirkungen auf die Beziehungsfähigkeit im späteren Leben. Kontinuität, Vorhersagbarkeit und ausreichend Zeit sind Grundvoraussetzungen für den Aufbau sicherer Bindungen. Sie geben dem Kind emotionale Sicherheit und erlauben es ihm, Vertrauen in die Welt auf­zubauen. Daher hat jede Betreuerin die Hauptverantwortung für vier bis fünf Kinder und ist immer für die Pflege und Betreuung dieser Kinder zuständig. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich nicht auch um die anderen Kinder in der Gruppe kümmert. Idealerweise begleitet die Betreuerin ihre Kindergruppe auch bis zum Ende der Casita-Zeit, also bis zum Alter von ca. 3 Jahren.

Beobachtung

Die Beobachtung ist das Fundament unserer Arbeit. Die Erkenntnisse, welche wir durch die Beobachtung des Kindes gewinnen, helfen uns dabei, seine Unabhängikeit und Selbstständigkeit zu unterstützen und neue Impulse für seinen Entwicklungsprozess zu setzen. Die Entwicklung jedes Kindes wird über das ganze Jahr hinweg dokumentiert. Dies geschieht durch schriftliche Beobachtungen und Checklisten. Die Ergebnisse der Beobachtungen werden in einem Bildungsbuch für jedes Kind festgehalten und sind die Grundlage für die Entwicklungsgespräche mit den Eltern.

Übergänge

Der Übergang in die nächste Gruppe, die Casita, erfolgt fließend – meist zwischen 18 und 24 Monaten. Der Zeitpunkt richtet sich aber in erster Linie nach der individuellen Entwicklung des Kindes. Entscheidend für die Teilhabe an den Aktivitäten der Casita ist die Fähigkeit, sicher freihändig zu laufen und somit die Hände frei zu haben für die „Arbeit“, die dort normaler Bestandteil des Alltags ist: Backen, Tisch decken, Wäsche sortieren und falten u.v.m.

Lesen Sie mehr über den Alltag in unserem Nido:
Das Kind von Geburt bis 18 Monate
Die vorbereitete Umgebung im Nido
Das Curriculum

[1] Viele interessante Beiträge zu diesem Thema sind zu finden in: Hermann, Ulrich (Hg.): Neurodidaktik. Grundlagen und Vorschläge für gehirngerechtes Lehren und Lernen. Beltz: Weinheim & Basel, 2009.